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16.1.2015

Aufhebung des Mindestkurses – Ein Schock für die Schweizer Präzisionsdrehteile-Hersteller

Der gestrige Entscheid der Schweizer Nationalbank, den Mindestkurs aufzuheben, löst in der Schweizer Präzisionsindustrie eine grosse Verunsicherung aus. Eine anhaltende und spürbare Aufwertung des Schweizer Frankens könnte viele Unternehmen in ihrer Existenz bedrohen. Nach den grossen Anstrengungen der letzten drei Jahre, die Wettbewerbsfähigkeit zurück zu gewinnen, könnten die Unternehmen nun gezwungen werden, neue, drastischere Massnahmen zu ergreifen. Um gravierende negative Auswirkungen wenigstens ein wenig abzufedern ist ein Reformprogramm zur Stärkung des hiesigen Werkplatzes nun nötiger denn je.

Ein Schlag ins Gesicht der hiesigen Exportwirtschaft
Der Schock des Nationalbank-Entscheides zur Aufhebung der Euro-Untergrenze sitzt in der hiesigen Exportwirtschaft tief. Die Schweizer Präzisionsdrehteile-Hersteller haben in den letzten drei Jahren grosse Anstrengungen unternommen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit bei einem Wechselkurs von CHF 1.20 zurück zu gewinnen. Angesichts der angespannten Situation auf den Finanzmärkten und der erneuten Unsicherheit über die Zukunft des Euro-Raums ist mit einem dauerhaften Überschiessen des Wechselkurses zu rechnen. Die Gefahr besteht, dass die Schweizer Landeswährung derart stark bleibt, dass sich die Schweizer Exportindustrie nicht innert nützlicher Frist an die neuen Währungsverhältnisse anpassen können und viele Betriebe oder Betriebszweige, die bei einem «vernünftigen» Wechselkurs wettbewerbsfähig wären, ihre Segel streichen müssen.

Unerwarteter Zeitpunkt
Die Ankündigung der SNB, die seit dem September 2011 geltende Wechselkursuntergrenze zum Euro nicht länger zu verteidigen, kam für den Verband SWISS PRECISION zu einem unerwarteten Zeitpunkt. Schliesslich sind die Turbulenzen im Euroraum, die ursprünglich der Grund für die Einführung der Untergrenze waren, noch nicht ausgestanden, sondern sind durch die Probleme in der Ukraine und in Russland und durch die steigende Bedrohungslage im Terrorismus sogar noch verschärft worden.

Reformprogramm zur Stärkung des hiesigen Werkplatzes aktueller denn je
Um die Risiken für die Schweizer Wirtschaft abzufedern, müssen nun die Belastungen der Unternehmen durch Abgaben, Steuern und Bürokratie (Regulierungskosten) rasch reduziert werden. Zu nennen sind hierbei beispielsweise eine wirtschaftsfreundliche Umsetzung des Verfassungsartikels zur Masseneinwanderung, eine rasche, der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit verpflichtete Einführung der Unternehmenssteuerreform III oder eine liberale und flexible Ausgestaltung der Raumordnungspolitik.

Vor allem dürfen wir nun nichts an die Hand nehmen, was den Standort Schweiz bevormundet, schwächt und die Produktionskosten verteuert. SWISS PRECISION wird deshalb mit aller Vehemenz gegen Massnahmen eintreten, welche den Standort schwächen wollen. So zum Beispiel die Erbschaftssteuerinitiative, die Kapitalgewinnsteuer oder die Volksinitiative Energie- statt Mehrwertsteuer.

Die Wechselkursentwicklung der nächsten 4 – 6 Wochen ist matchentscheidend
Wie gravierend die Konsequenzen für die Schweizer Präzisionsdrehteile-Hersteller sein werden, hängt davon ab, auf welchem Niveau sich die Wechselkurse – nebst dem Euro auch der US-Dollar – einpendeln werden. Sollte sich der Eurokurs bei etwa 1.15 Franken einpendeln, dann könnten die meisten unserer Firmen den Rank wohl finden. Ein Einpendeln in der Grössenordnung der Parität hätte hingegen einschneidende Massnahmen zur Folge. Viele Exportunternehmen müssten ihre Budgets anpassen. Das kann bedeuten, dass Investitionen zurückgestellt, werden oder dass auf Projekte verzichtet wird. Auch der Restrukturierungs- und Verlagerungsdruck würde noch einmal gewaltig zunehmen.

Für weitere Informationen lesen Sie auch das Interview unseres Geschäftsführers in der Solothurner Zeitung.